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Ich wünschte mir einen Zeitraffer, der die letzten 50 Millionen Jahre in einigen Sekunden darstellt. So könnte ich sehen, wie sich die Berge in der Schweiz aufgerichtet haben. Leider ist dies nicht möglich. Dafür gibt es die Tektonikarena Sardona. Dort kann man auf eindrückliche Weise sehen und erleben, wie unsere Berge entstanden sind.

In diesem Beitrag verrate ich euch fünf wissenswerte Fakten über die Tektonikarena Sardona.

Unesco Weltnaturerbe

Mit grossen Augen stehe ich da und bestaune die sich vor mir auftürmenden Berge. Gänsehaut macht sich breit und ich frage mich, wie diese wunderschönen Kolosse aus Kalk, Flysch und Verrucanogestein wohl entstanden sind.

Die Glarner Hauptüberschiebung ist eine der Hauptattraktionen der Tektonikarena Sardona.

Gut sichtbar, die Linie zwischen dem Verrucano Gestein und dem Kalkgestein. Die Glarner Hauptüberschiebung ist eine der Hauptattraktionen der Tektonikarena Sardona.

Unsere Kontinente driften seit Jahrmillionen auseinander. Auch heute befinden sie sich in steter Bewegung. An den sogenannten mittelatlantischen Rücken strömt permanent heisses Gestein an die Öberfläche. Dort verhärtet sich dieses und drückt die aneinandergrenzenden Platten auseinander. Da unsere Erde nicht wächst, muss an einem anderen Ort das Gestein wieder „verschwinden“. So entstehen die Überschiebungen.

Weltnaturerbe Tektonikarena Sardona

Weltnaturerbe Tektonikarena Sardona

Vor ca 35-50 Millionen Jahren schob sich eine jüngere Gesteinsplatte unter ein viel älteres Gestein. So kommt es, dass wir heute mit blossem Auge bei den Tschingelhörnern eine sehr markante Linie ausmachen können. Diese trennt das rund 220 Millionen Jahre ältere (oben) vom rund 50 Millionen Jahre alten (unten) Gestein. Das ganze passierte 16km unter der Erdoberfläche. Durch die immense Kraft und Bewegung sowie die Erosion wurde die Grenze der Überschiebung an die Oberfläche gebracht.

Durch diese Vorkommen und die gute Sichtbarkeit dieser Ereignisse hat die UNESCO die Glarner Hauptüberschiebung, auch bekannt als Tektonikarena Sardona, mit ihrem 32850 Hektar grossen Gebiet 2008 in das Verzeichnis des Weltkulturerbes aufgenommen.

Die Tektonikarena Sardona ist einzigartig auf der Welt

Unvorstellbar, dass es in der kleinen Schweiz einen solch historischen und weltweit einzigartigen Ort gibt. Die Tektonikarena Sardona ist eine von vielen Überschiebungen Weltweit. Die einfache Zugänglichkeit beschert ihr aber diese Einzigartigkeit. Nirgendwo auf der Welt kommt man einfacher zu diesem lehrreichen Blick auf die Vergangenheit.

Sonnenuntergang auf dem unteren Segnesboden

Das Martinsloch – wo die Sonne durch den Berg scheint

Stolz stehen Sie da, die Tschingelhörner. Der aufziehende Nebel verleiht den mächtig wirkenden Gipfeln noch mehr Charakter. Mein Blick wandert in nordwestliche Richtung. Und dort finden meine Augen ein grosses, 22m hohes und 19m breites Felsenfenster. Genannt das Martinsloch. Zweimal im Jahr scheint die aufgehende Sonne für wenige Minuten durch das Loch auf die Ortschaft Elm. Die Dorfkirche wird dann während gut zwei Minuten über dieses Naturphänomen hell erleuchtet. Bei dunstigem Wetter erkennt man einen rund 4,7km langen Lichtstrahl welcher einen rund 105m x 50m Lichtkegel projiziert.

Möchtet ihr dieses Ereignis selbst erleben, dann besucht die Kirche von Elm entweder am 12./13. März zwischen 08:53 und 08:54 Uhr oder am 30. September und 1. Oktober zwischen 09:33 und 09:34 Uhr.

Der zweihundert jährige Streit

Erdschrumpfung, Alpenfaltung oder Überschiebung. Das ist heute geklärt. Damals wurde aber viel darüber diskutiert, nein sogar darüber gestritten. 1809 zweifelte erstmals ein Schweizer Forscher die Theorie der damals noch gültigen Meinung der Erdschrumpfung an. Sein Sohn veröffentlichte aber wegen spöttischer Reaktionen auf die Erkenntnisse seines Vaters eine andere Theorie. So hörte man das erste mal von der „Glarner Doppelfalte“. Die 1884 vom französischen Geologen Marcel Alexandre Bertrand getätigte Aussage einer Überschiebung wurde erst 1902 von allen damals relevanten Geologen und Forschern anerkannt. Ein Grund für die Verzögerung war, dass Bertrand seinen Befund aus Beobachtungen in den Ardennen ableitete und selbst nie in den Glarner Alpen zugange war.

Auch heute wird in diesem Gebiet noch viel geforscht und gestritten. Dabei geht es aber mehr darum, wie die Überschiebung erfolgte, und welche Prozesse dabei eine Rolle gespielt haben.

Der obere Segnesboden

Die Verbindung dreier Kantone

Die Tektonikarena Sardona ist das Kerngebiet des Geoparks Sardona. Dieser verbindet drei Kantone. St. Gallen, Glarus und das Graubünden. Das 300km2 grosse Gebiet ist gut mit Bike- und Wanderwegen ausgestattet. Einer der eindrücklichsten Wege dürfte der Sardona-Welterbe-Weg sein. Auf 100km über 6 Etappen kann man die Entstehung der Alpen hautnah miterleben. Diese Wanderung ist jedoch nicht für Einsteiger geeignet. Eine gewisse Fitness und Trittsicherheit ist Pflicht. Der Wanderweg wurde als mittel bis schwer eingestuft.

Das gelernte erlebbar gemacht

Früher wäre mein Blick gelangweilt über den Pausenhof geschweift. Heute jedoch finde ich all diese Fakten äusserst spannend und lehrreich. Das ganze mit eigenen Augen zu sehen hilft, das gelernte zu vertiefen und in einen neuen Kontext zu setzen.

Gebt euch einen Ruck und plant einen Ausflug in diese für Biker und Wanderer sehr spannende Region der Schweiz!

Die Tschingelhörner mit dem Martinsloch

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